Der Psychologe Kris Kelvin reist zu einer Forschungsstation auf dem Planeten Solaris. Seit Jahrzehnten versucht die Wissenschaft, den rätselhaften Ozean zu erforschen, der den Planeten bedeckt: ein Wesen, ein Bewusstsein, vielleicht eine Lebensform. Doch statt Antworten zu liefern, scheint Solaris die Menschen an Bord mit ihrer eigenen Vergangenheit zu konfrontieren. Erinnerungen tauchen auf, Tote kehren zurück, Schuld, Sehnsucht und Verlust nehmen plötzlich Gestalt an. Was als wissenschaftliche Mission beginnt, wird zunehmend zu einer Begegnung mit dem Fremden; im Universum und in uns selbst.
Stanislaw Lems Kultroman ist Science-Fiction und gleichzeitig ihr Gegenentwurf, denn Solaris erzählt nicht vom Triumph menschlicher Erkenntnis, sondern von ihrer Grenze. Wie gehen wir damit um, wenn etwas sich unserer Erklärung entzieht? Wenn Liebe, Trauer und Schuld sich nicht von Vernunft einhegen lassen? In einer Gegenwart, die immer mehr vermisst, optimiert und berechnet, die den Menschen in Datensätzen transparent zu machen weiß, deckt Solaris vielleicht auf, was uns „das Sichtbare versteckt“ (René Magritte).
Daniel Kunze, der in seinen Bearbeitungen auch bühnenfremder Vorlagen mit großer Spiellust arbeitet, nähert sich gemeinsam mit dem Moerser Ensemble der philosophischen Tiefe von Solaris auch mit musikalischen und choreographischen Mitteln. So wird das Schlosstheater vielleicht selbst zum Ozean, zu einer Wunschmaschine; zu einem Ort, der Unbewusstes und Unverfügbares hervorbringt.
Spielort
Schloss, Kastell 9, 47441 Moers