Unsterblich sein. Von Jahrhundert zu Jahrhundert leben. Grenzen überschreiten, die für andere endgültig sind. Doch was verbindet Vampire eigentlich mit uns? Dracula von lynn t musiol richtet den Blick auf einen Moment, der im Mythos meist übersprun- gen wird: die Phase zwischen Biss und Verwandlung. Zwischen Infektion und Ausbruch. Zwischen dem, was war, und dem, was unwiderruflich kommt. Wir begleiten einen Menschen, der gebissen wurde – und der diese Schwelle durchlebt. Was geschieht im Körper? Welche Ängste tauchen auf? Welche Zeichen kündigen die Transformation an? Und was bedeutet es, sich in etwas zu verwandeln, das man nie werden wollte?
Im Bild des Vampirs verhandelt der Abend Fragen, die weit über das Fantastische hinausreichen: Wie erzählt jemand von einer HIV-Infektion? Was berichtet eine Landschaft, die sich durch die Klimakrise verändert? Wie leben wir mit dem Wissen um unumkehrbare Prozesse? Die liminale Phase – das Dazwischen – erscheint hier nicht nur als Zustand der Bedrohung, sondern als schöpferischer Raum: ein Ort für Trauer über das Verlorene ebenso wie für die tastende Annäherung an das Unvermeidliche.
Und so mäandert dieser Abend von der Arztpraxis in die Selbsthilfegruppe, von intimen Selbstgesprächen zu kollektiven Stimmen – und driftet auf ein traurig-schönes Finale zu, das bezirzt wie ein butterweicher Sonnenaufgang
Spielort
Kapelle, Rheinberger Straße 14, gegenüber Nr. 29, 47441 Moers