Ruf des Lebens

nach Arthur Schnitzler

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Aufopferungsvoll pflegt Marie ihren bettlägerigen Vater. Der alte Tyrann klammert sich an sie, beharrt auf ihrer ständigen Anwesenheit im Krankenzimmer. Seit drei Jahren hat Marie das Haus kaum verlassen. Als sie sich in einen jungen Soldaten verliebt, scheint ein Ausweg greifbar – doch sie ahnt nicht, dass er sich längst entschieden hat. Nicht für sie, sondern für den Krieg. Denn das Vaterland muss verteidigt werden.

Schnitzler zeichnet in diesem selten gespielten Theaterstück ein Dilemma, das aktueller ist, als es auf den ersten Blick scheint: die Unvereinbarkeit von Pflicht und Selbstbestimmung, an der viele pflegende Angehörige bis heute zu scheitern drohen. Doch Ruf des Lebens ist mehr als das Porträt einer aufopfernden Tochter – es ist die Anatomie einer sterbenden Gesellschaft. Nicht nur Maries Vater, sondern alle Figuren sind dem Untergang geweiht, erstarrt in einem System aus Krieg, Verdrängung, Pflichtgefühl und Opferbereitschaft. Gerade darin liegt die verstörende Gegenwärtigkeit des Stücks: in der Frage, wie viel ein Mensch für andere, für Ideale oder für ein Gemeinwesen aufzugeben bereit sein soll – und ab wann aus Hingabe Selbstverlust wird.

TEAM

Regie
Bühne und Kostüm
Komposition
Dramaturgie

Pressestimmen

Die Themen des Stückes sind hochaktuell. Neben Krieg und Wehrdienst rückt die Inszenierung auch das Thema Pflege ins Blickfeld. Es sind die Gegensätze der Themen Selbstverwirklichung statt Pflichtgefühl, Liebe statt Ehre und Vaterland beziehungsweise Freiheit statt Zwang, die dem Schauspiel „Ruf des Lebens“ von Arthur Schnitzler innewohnen. (…)
Schnitzler hat detailverliebt sehr genaue Vorgaben zu Ausstattung und Requisiten der drei Handlungsorte gemacht. Dergestalt wollten aber weder Arnold noch sein Bühnen- und Kostümbildner Christian Blechschmidt dem Dramatiker dabei folgen. Blechschmidt hat das Bühnenbild stattdessen in einen weitgehend leeren, kalten, weißen Raum mit grellem Neonlicht verwandelt, der die Sterilität im Medizinischen wie das Kaltherzige im Menschlichen widerspiegeln soll. Diese Absicht ging auf.
Aufgegangen sind ferner die Doppelbesetzungen, vor allem die von Vater und Oberst sowie die von Förster und Max. Besitzergreifend-patriarchalisch beziehungsweise herrisch-diktatorisch spielt Matthias Hesse gleichsam den alten Moser wie den das militaristische System verkörpernden Oberst – wieder einmal äußerst überzeugend. Gleiches gilt hinsichtlich der vorzüglichen Spielweise von Florian Kager in Sachen Liebe gegenüber Marie, ob als Förster oder als Max. Das Premierenpublikum spendete nach Vorstellungsende einen zu Recht großen Beifall.

Olaf Reifegerste, Rheinische Post, 03. Mai 2026

Das ist ja mal ein Knalleffekt! Der Oberst in seiner schmucken Weltkriegsuniform setzt seiner Frau Irene die Pistole an die Stirn, peng!, geht der Schuss los, wer weiß wo ausgelöst, Irene fällt nicht tot um, aber es ist klar: Sie ist hinüber, weil sie den Oberst mit dem feschen Leutnant Max betrogen hat, und dieser Max wird den Mord auf sich nehmen, Befehl ist Befehl, auch oder gerade in der k.und k.-Monarchie, da gibt es nichts.
Dabei handelt es sich hier im Grunde um Nebenfiguren; im Zentrum des selten gespielten Stücks "Ruf des Lebens" von Arthur Schnitzler stehen andere, vor allem die junge Marie Moser und ihr 70-jähriger bettlägeriger Vater, den sie pflegt und vergiften wird. Ja, es gibt immerhin zwei Morde in diesem eigenartigen Stück, und den Nebenfiguren-Effekt hat der Regisseur Jakob Arnold durch Doppelbesetzungen geschickt aufgelöst. 
Die Virulenz eines historischen Stoffs begreift man; der Konflikt ist deutlich. Die Ausgrabung eines vernachlässigten Textes, so überraschend konservativ die Wahl auf den ersten Blick erscheint, jenseits aller florierenden Moden, verdient auf jeden Fall Respekt. 

Martin Krumbholz, Nachtkritik, 01. Mai 2026

Der Ruf des Lebens - Trailer

© Siegersbusch
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© Jakob Studnar

Spielort

Schloss, Kastell 9, 47441 Moers
  1. 13. Mai.
    Mi, 19:30 Uhr
    Schloss
    Tickets
    Abendkasse
  2. 27. Mai.
    Mi, 19:30 Uhr
    Schloss
  3. 29. Mai.
    Fr, 19:30 Uhr
    Schloss
  4. 31. Mai.
    So, 18:00 Uhr
    Schloss
  1. Premiere 25. Okt. 2025 Schloss
    Der Frieden nach Aristophanes und Antoine Vitez. Deutsch von Claus Bremer, Hartmut Kirste und Lothar Sprees
  2. Premiere 30. Nov. 2025 Bollwerk 107
    Anfall und Ente von Sigrid Behrens
  3. Premiere 13. Dez. 2025 Kapelle
    Söhne von Marine Bachelot Nguyen. Deutsch von Claudia Hamm
  4. Premiere 26. Feb. 2026 Schloss
    Wo sind denn alle? von Leo Meier und Emil Borgeest
  5. Premiere 10. Apr. 2026 Studio
    Junges S.T.M
    20. Juli: Ein Zeitstück von Bernhard Schlink
  6. Premiere 30. Apr. 2026 Schloss
    Ruf des Lebens nach Arthur Schnitzler
  7. Früher war alles besser! Politisch Defekt – Talk-Format
  8. Premiere 15. Mai. 2026 Studio
    Junges S.T.M
  9. Premiere 24. Mai. 2026 Studio
    Coward's heart von und mit Catherine Elsen
  10. Premiere 5. Jun. 2026 Kapelle
    Adams Äpfel von Anders Thomas Jensen | Eine Zusammenarbeit mit der Folkwang Universität der Künste
  11. Democrisis Das Theatergame zur Rettung der Demokratie
  12. Das Märchen von Maus, dem verwunschenen Königskind von Lukas Schneider, Hannes Kapsch, Nasti, Johannes Worms
  13. Die Rollende Stadt Schauspiel mit Fahrrad und Figuren von Christoph Buchfink
  14. Improworkshop ab 10 Jahren
  15. EARHART Der abenteuerliche Flug einer Wühlmaus um die Welt von Torben Kuhlmann, Bühnenfassung von Adrian Paco Ammon
  16. südpol.windstill von Armela Madreiter
  17. Die Frau und ihr Fischer Ein Märchen über die Gier und das Genug
  18. ACHTUNG! Bau:stille Ein partizipatives Geräuschtheater von Caroline Heinmann und Kai Fischer
  19. in liebe, Ein bewegendes Theaterstück über Freundschaft, Verlust und Ehrenmord
  20. Jubiläumsparty 20 Jahre Junges STM im Anschluss an die Preisverleihung
  21. Premiere 7. Jul. 2026 Studio
    Junges S.T.M

Extras

  1. 27. Mai. 2026 Studio
    Gemeinsam schauen – Ruf des Lebens Rahmenveranstaltung zur Vorstellung "Ruf des Lebens"
  2. 15. Jun. 2026
    34. Penguin's Days Kinder- und Jugendtheaterfestival
  3. 1. Jul. 2026
  4. Café Matinée im Peschkenhaus
  5. Café Matinée Theatercafé im Peschkenhaus
  6. Der Frieden – Matinée nach Aristophanes und Antoine Vitez
  7. Dieser Drang nach Härte Autorinnenlesung von und mit Eva von Redecker
  8. Gemeinsam schauen - Der Frieden Theater-Speed-Dating
  9. Gemeinsam schauen – Söhne Theater-Speed-Dating
  10. GUDE LEUDE vs. KI Gastspiel
  11. Kunst von Yasmina Reza. Deutsch von Eugen Helmlé
  12. Moerser Perspektiven Podiumsdiskussion im Schlosstheater Moers
  13. Queerer Stammtisch im S.T.M. Ein safer space für LGBTQIA+* Menschen, Unentschlossene und Allies
  14. Ruf des Lebens – Matinée nach Arthur Schnitzler
  15. Schatten und Lippen Lesung von und mit Marine Bachelot Nguyen. Deutsch von André Hansen
  16. Schloss- und Theaterfest Tag des offenen Denkmals
  17. Söhne – Matinée von Marine Bachelot Nguyen
  18. Wo sind denn alle? – Matinée von Emil Borgeest und Leo Meier
  19. Wo sind denn alle? Na, hier! Lesung von und mit Emil Borgeest, Leo und Olaf Meier und dem Ensemble
  20. Zeit der Verluste von und mit Daniel Schreiber
  21. Zum ewigen Frieden Marathonlesung mit Publikumsbeteiligung

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Schönes und wichtiges rund um das Schlosstheater Moers