Pfarrer Ivan glaubt mit aller Kraft an das Gute im Menschen. In seiner abgelegenen Landgemeinde nimmt er auf, wen die Gesellschaft aufgegeben hat: den alkoholabhängigen Gunnar, und Sarah, schwanger und frisch trocken. Auch von Adam, einem gerade aus dem Knast entlassenen Neonazi, verlangt Ivans Methode, dass er sich ein Ziel setzt. Adam wählt: einen Apfelkuchen backen. Aus den Äpfeln des Baums vor dem Pfarrhaus.
Was als Provokation beginnt, wird zur Mission. Und Ivans Erzählungen vom Guten beginnen zu wackeln. Adam will dieses Konstrukt zum Einsturz bringen. Doch was, wenn Ivans Selbsttäuschung das Einzige ist, was ihn trägt – und was, wenn sie auch der letzte Halt der anderen ist?
Anders Thomas Jensens Geschichte verhandelt Hoffnung und Nihilismus als zwei Pole einer erschöpften Gegenwart. Zwischen toxischer Positivität und Zynismus sucht sie nach einer dritten Möglichkeit: einer Hoffnung, die Wahrheit aushält.
Ist „Alles wird gut" ein Trost – oder eine Lüge? Ist Zynismus klüger – oder nur bequemer? Und glauben wir noch daran, dass Menschen sich fundamental verändern können?
Eine Zusammenarbeit mit der Folkwang Universität der Künste
Blickfang des Bühnenbildes ist das große Fenster, das zumeist offensteht und von Ivan, einem grenzenlos optimistischen Landpfarrer (gespielt vom fantastischen Matthias Heße) genutzt wird, um hinaus zu klettern und Äpfel vom Apfelbaum zu pflücken oder um mit seinem Sohn im Garten des Pfarrhauses Fußball zu spielen.
Ivan glaubt mit aller Kraft an das Gute im Menschen und behauptet: „Es gibt keine schlechten Menschen“. An diesem Ort der Nächstenliebe versucht er Straftäter zu resozialisieren, wie den aggressiven Neonazi Adam (gespielt von STM-Ensemblemitglied Florian Kager) und Gunnar, einen Vergewaltiger (gespielt vom Folkwang-Studenten Safa Aksit). Doch auch vom Leben aus der Bahn Geworfene finden bei Ivan Unterschlupf, darunter die schwangere Sarah (gespielt von der Folkwang-Studentin Christina Verrieth), eine ehemalige Alkoholikerin. (…)
Währenddessen beginnt sich inhaltlich das Blatt des Gutmenschen (Ivan) und des Bösmenschen (Adam) zu wenden: Nach und nach deckt Adam nämlich die ungeheuren Abgründe auf, die Ivans Lebensgeschichte zu einer Lebenslüge werden lassen und die dieser beharrlich verdrängt und negiert.
Mit wohl Gottes Hand gibt es schließlich doch noch versöhnliche Töne zwischen beiden, insofern sie genüsslich den von Adam als Zielvorgabe der Resozialisierungsmaßnahme gebackenen Apfelkuchen gemeinsam verköstigen. So entsteht eine bildhafte Poesie zweier Männer im Scheinwerferschein. Wundervoll!
Olaf Reifegerste, Rheinische Post
Spielort
Kapelle, Rheinberger Straße 14, gegenüber Nr. 29, 47441 Moers