Kurz vor ihrer Reise nach Vietnam, um die LGBTQIA*-Bewegung vor Ort zu dokumentieren, stirbt die Mutter der in Frankreich lebenden Protagonistin unerwartet. Mit deren Asche im Gepäck beginnt sie ihre abenteuerliche Reise – auf der Suche nach Identität, Herkunft und Verständnis. Marine Bachelot Nguyen verbindet in Schatten und Lippen autobiografische Elemente mit poetischer Sprache und historischen Ereignissen. Traumhafte Figuren und fantastische Begegnungen begleiten die Protagonistin auf ihrem Weg durch verschiedenste Lebenswelten – und lassen sie dabei auch die bis heute wirksamen Spuren des Kolonialismus und deren Einfluss auf Genderrollen in Vietnam erkennen.
Fühlen Sie sich eingeladen, diese vielschichtige, dokumentarische Erzählung von Marine Bachelot Nguyen zu erleben.
Am Ende des Stückes gibt es einen langen Applaus. Ich freue mich über die Auseinandersetzung der älteren Menschen im Raum mit der queeren Community. In meiner städtischen Bubble sind das Leben und die Herausforderungen queerer Menschen längst klar. Hier scheinen einige der Besucher*innen ganz neue Einblicke gewonnen zu haben. Selbst für mich haben sich hier neue Fragen eröffnet, und das nicht nur zum Vietnam. Wie viele der positiven Entwicklungen für die queere Szene weltweit waren wohl wirkliche Befreiung und nicht bloß politisches Kalkül?
Marine Bachelot Nguyen gibt mit ihrem Werk einen ersten Raum zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik – politisch und persönlich. Ihr Spannungsfeld zwischen Fiktion und Dokumentation,ihrer Identität und der Gesellschaft begleitet mich gedanklich auch noch auf dem Heimweg durch den kühlen Herbst.
Anna Klinge, Strobo, 05. November 2025
Spielort
Kapelle, Rheinberger Straße 14, gegenüber Nr. 29, 47441 Moers